Rheinische Post vom 21. Juni 2019/Klangkunst:„Treppauf, Treppab“

Klangkunst:„Treppauf, Treppab“ – U-Bahn-Station mit neuer Soundinstallation

Von Clemens Victor Henle

Ein stetig ansteigender Ton durchdringt den Eingang der U-Bahnstation Heinrich-Heine-Allee. Immer höher und höher scheint sich der pfeifende Sound im Zugang zur Königsallee zu steigern. Was eigentlich unmöglich klingt, ist ein wahrnehmungspsychologisches Phänomen. Diese sogenannte Shepard-Tonleiter ist Ausgangspunkt für die neue Soundinstallation „Treppauf, Treppab – Situated Now, Donna Haraway“ des Kölner Komponisten und Musikers Marcus Schmickler in der U-Bahnstation der Wehrhahnlinie.

Bei der Shepard-Tonleiter, benannt nach ihrem Erfinder Roger Shepard, handelt es sich um eine akustische Illusion, bei der ein Ton fortwährend steigt oder fällt, aber niemals ein Limit erreicht. Der Klang ist also in permanenter Bewegung, scheint aber trotzdem nirgendwo anzukommen. Bereits Pioniere der elektronischen Musik wie Jean-Claude Risset oder Karlheinz Stockhausen nutzten den bemerkenswerten Effekt der Shepard-Töne, die nach menschlichem Hörempfinden keine Grundtöne erkennen lassen oder Orientierung bei der Tonfolge bieten. Schmickler lässt nun durch seine Installation eine Art akustische Fata Morgana entstehen. Er unterteilt einzelne Shepard-Töne in Akkorde, verdichtet oder dehnt sie, beschleunigt oder verlangsamt ihr Tempo, um sie dann wieder mit anderen elektronischen Partikeln zu verzahnen.

Nach Kurt Dahlke und Jörn Stoya, Waltraud Blischke und Leif Inge ist Marcus Schmickler der vierte Künstler, der im Auditorium – dem langen Aufgang der Station hinauf zur Königsallee – ausstellt. Neben seinen künstlerischen Soundinstallationen ist Schmickler auch als Mitbegründer des Kölner Plattenladens und Labels a-Musik in Erscheinung getreten, hat Postrock unter seinem Pseudonym Pluramon bei Mille Plateaux veröffentlicht und lehrt am Bard College sowie der Robert-Schumann-Hochschule.

Kuratiert wird die Soundinstallation vom Düsseldorfer Künstler Ralf Brög. Als sich dieser 2001 unter dem Titel „Drei Modellräume“ für die künstlerische Gestaltung eines U-Bahnhofes der Wehrhahn-Linie bewarb, war seine erfolgreiche Idee, den öffentlichen Raum zu einem Auditorium umzufunktionieren und mit Klangkunst zu füllen. Dazu gehört auch, dass mit der Zeit ein Repertoire an Arbeiten für den Klangraum aufgebaut wird. Diese Arbeit wird derzeit von der Kunstkomission gefördert.

So soll das Repertoire des Soundprojekts stetig wachsen und sich verselbstständigen. Im kommenden Jahr will Brög dann eine neue Repertoirearbeit in Auftrag geben. Erstmal ist aber Marcus Schmicklers Soundinstallation noch bis zum 7. Juli in den Aufgängen der des U-Bahnhofes Heinrich-Heine-Allee der Wehrhahn-Linie zu hören.